GBS mit 33, mein Leben steht Kopf

deeka84, Freitag, 02. Februar 2018, 22:52 (vor 82 Tagen)

Hey mein Name ist Dawid,

ich habe Oktober meine GBS Diagnose erhalten, nachdem ich 2 Wochen zuvor mit dem C.Jejuni einen Infekt hatte ( im Labor nachgewiesen)

Ich verfolge das Forum schon länger und versuche Kraft in schwierigen Momenten zu suchen,da die Ärzte selber nur mit den Schultern zucken, weil jeder einzelne Verlauf anders zu sein scheint, so wie meiner auch.

Ich bin mein lebenlang Sportler, arbeite in der Psychiatrie in der Forensik und wenn ich sage Sportler, meine ich mit ganzer Leidenschaft, 6-7 mal die Woche schon seit ich klein war. Ich konnte sogar hier und da für kleinere Supplemente modeln, nicht um anzugeben, sondern um zu veranschaulichen, wie ernst ich dieses Sportding nahm :)

Mich hat es in meiner gefühlt stärksten Woche erwischt.Ich habe meine Bestleistungen getoppt. Am nächsten Tag fühlte ich mich angeschlagen, wie erkältet ( was ich die letzen 5 Jahre nicht war). Tag darauf schmeckte jedes Getränk metallisch, am abend hatte ich Temperaturmissempfidungen in den Händen, zwei Tage darauf nahmen sie zu und Beine wurden schwach, dass ich Schwierigkeiten hatte zu gehen. Im Hausarztbericht steht Patient hat "Gummibeine" Wie ich ihn hasse :-D

Nachdem 3 Ärzte gesagt haben ich hätte einen Psychischen Ausnahmezustand, bettelte ich im Krankhaus WF aufgenommen zu werden, man könnte meine ich kratzte an der Tür, wie ne Katze im Ofen.
Diese haben CTs,Mrts,Labore laufen lassen und gerade an dem Tag als mir die Ärztin gesagt hat, dass ich zum Psychologen sollte, fiel ihr auf dass mein Gesicht runterhängt. Verlegung in das Krankenhaus, wo man mich zwei Mal zurück gewiesen hat ( Ich rede von der Notaufnahme, nicht der Neurologie, die Ärzte dort sind nämlich Gold wert.)

In Braunschweig angekommen konnte ich nur noch gerade so stehen, Hände, Füße und Oberarme waren nicht mehr zu gebrauchen, bis zum Hintern war ich taub und Gesicht und Auge waren nicht mehr ansteuerbar und ich enteicklete leichte Schluckstörungen.

10 Minuten bei der Neurologin in der Notaufnahme, wo ich 13 Stunden verbrachte, obwohl man mich aus einem anderen KH verlegt hat, sagte die Ärztin sie vermutet GBS. Alles spricht dafür. ( Ich hätte sie küssen können dafür, so erleichtert war ich dass es für den Teufel der mich heimsuchte einen Namen gab und hoffentlich eine Behandlung. Diagnose trotz negativen Liquorbefund um 1 Uhr nachts.
Start mit Immunglobulinen am nächsten Morgen und Nervenmessung, die eine beginnende Demylisierung bestätigte.

Bereits einen Tag nach der Gabe, habe ich bereits gespürt, dass die Entzündung im Körper angehalten hat. Was für eine Erleichterung, es hilft.
Schnell fand man den Nachweis für den C.jejuni Erreger und schloss im Hintergrund andere Sachen weiter aus.

Bereits am dritten Tag konnte ich gehen, langsam aber es ging. Am fünften Tag war die Parese im Gesicht minimal, ich lachte weil mein Yodaglücksbringer, auch ein hängendes Auge hatte:-). Also Glück gehabt, dachte ich mir. Milder Verlauf, ambulante Reha, Yes.

Leider kamm 7 Tage später alles wieder nur nicht so extrem, also nochmal 3 Tage Immunglobulinthearapie.
Dann Reha, aber stationäre, ich hatte keine Ahnung wie ich herangehen sollte, die Therapeuten in Seesen scheinbar auch nicht. In der Reha konnte ich nach einer Woche langsam rennen, Treppen hochlaufen, Hüpfen, und fühlte mich fitter. Endlich wiedee bissl Pumpen.

Die Therapeuten, sagten es liegt an meinem guten Körpergefühl und sportlichen Fitness, anders konnten sie sich nicht erklären, wie man mit 10 tauben Fingern inkl. Tremor, Klötze in der Zeit eines Gesunden sortieren konnte, oder in 2 Stunden lehrnte zu Jonglieren ;-)
Aber so bin ich halt, ich liebe jede Art von Bewegung und Sachen auf Zeit wecken den sportlichen Ergeiz in mir :D
Umso schwerer traff mich in jeder Stillen Minute die Erkenntnis, wie weit weg ich von meinem alten ich war und ich weinte, für einen kleinen Moment, aber immer öfter, wenn ich mit mir ganz allein war.

Alles worauf ich so stolz war, alles was ich liebte gab es jetzt auf einmal nicht mehr. Den Sport, meine Leidenschaft, mein Stressventil, meine Zuflucht, wenns im Leben beschissen lief.
Meinen Körper den ich voller Stolz vor Wochen im Spiegel blickte, den ich immer mit gesunder Nahrung versorgte baute ab und ich vertraute ihm kein Bisschen mehr..
Ohne Witz, vom "Fitnessmodel" zum Invaliden also die umgekehrte Aschenputtel-Geschichte, das soll jetzt mein Schicksal sein.


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