So war GBS bei mir

Christian, Sonntag, 20. Januar 2008, 14:40 (vor 5426 Tagen)

Bei mir fing alles am Mittwoch, 24.10.2007 mit sehr starken Halsschmerzen in der Nacht an. Gleichzeitig merkte ich wie der große Zeh am linken Fuß zu kribbeln begann und leicht taub wurde. Bis zum Samstag dehnte sich dies dann auf mehre Zehen des linken und rechten Fußes einschließlich der Fußsohlen aus. Auch der linke Mundwinkel war leicht taub. Die Erkältung wurde auch zunehmend stärker. Ich dachte zuerst an einen Schlaganfall und ging sofort noch am Samstag in die Notaufnahme eines nächstliegenden Krankenhauses. Nach ersten Untersuchungen wurde dies ausgeschlossen und man verwies mich nach München-Großhadern, da dort eine Neurologische Abteilung ist. Die dortigen Untersuchungen schlossen einen Schlaganfall ebenfalls aus. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch alle Tests wie z. B. gehen auf einer Linie, stehen auf einem Bein, Arme ausgestreckt in die Waagrechte usw. bestehen. Da kein dringender Notfall erkennbar war entließ man mich mit dem Hinweis ich muss am Montag zur Weiterbehandlung zum Hausarzt und evtl. zum Neurologen und sollte es schlechter werden, Wiedervorstellung gerne. Am Sonntag beim Frühstücken merkte ich, dass das Schlucken irgendwie schwerer ging. Im Laufe des Tages und der Nacht kam dann neben ersten Schlafstörungen schon eine erste leichte motorische Störung beim Gehen hinzu. Das Kribbeln in den Füßen war vor allem in der Nacht schon sehr stark und fühlte sich an wie tausend Nadelstiche und wenn sich kalte Zehen im warmen Zimmer wieder ?auftauen?. Mein Besuch beim Hausarzt brachte keine weiteren Erkenntnisse. Als das Gehen bis zum Dienstag weiter schlechter wurde ging bzw. wankelte ich zum Orthopäden. Der nächste Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall bestätigte sich dort aber nicht. Am Mittwoch waren die motorischen Störungen beim Gehen dann schon so ausgeprägt, dass ich nur noch wenige Schritte frei gehen konnte und ich mich wo es ging festhielt bzw. abstützte. Auch die Hände waren mittlerweile vom Taubheitsgefühl betroffen. So ging ich zum Neurologen. Dort konnte ich dann keinen der Tests mehr bestehen und auch die Reflexe in Beinen und Armen waren nicht mehr vorhanden bzw. nur noch ganz schwach. Er überwies mich noch am selben Tag wieder noch Großhadern. Die dort durchgeführte Liquor Untersuchung zeigte keine Auffälligeiten. Zum Glück war auch keine Entzündung feststellbar. Drei Tage nach Einlieferung ins Krankenhaus konnte ich dann ab 03.11.2007 komplett nicht mehr gehen. Die Lähmungen und Taubheitsgefühle breiteten sich nun von den Beinen über die Bauch- und Rückenmuskulatur zu den Armen aus. Auch das Gesicht war betroffen. Zu erst die linke Gesichtshälfte, dann auch die rechte, wobei im Gesicht aber keine Taubheitsgefühle auftraten. Zunehmend wurde ich zum kompletten Pflegefall. Für alle Dinge des täglichen Lebens brauchte ich nun Hilfe. Das Schlucken hatte sich mittlerweile auch so verschlechtert, dass ich vor allem auch wegen der kompletten Gesichtslähmung auf Breinahrung umgestellt wurde. In der Nacht machten mir starke Rückenschmerzen und massive Schlafstörungen zu schaffen. Nur am Tag war es mir möglich etwas zu schlafen. Fast von Beginn an hing ich am Überwachungsgerät welches Atmung, Herzschlag und Blutdruck überwachte. Mein Puls ging nicht mal mehr im Ruhezustand unter die 95 und auch der Blutdruck war ständig bei 150 und mehr. Bei minimalen Bewegungsversuchen bzw. z. B. beim Husten (die Erkältung war ja auch noch da) schoß der Puls auf bis zu 140 und mehr. Da GBS seinen Tiefstand nach ca. 3-4 Wochen erreicht hat, habe ich jeden Tag die Tage gezählt und gehofft, dass es nicht noch weiter nach unten geht und ich evtl. noch beatmet werden müsste. Dies war zum Glück nicht der Fall. Vielleicht auch weil ich sofort ab 02.11.2007 für fünf Tage Immunglobuline erhalten habe. Am 15.11.2007 (also 22 Tage nach den ersten Symtomen) habe ich dann zu meiner Freude festgestellt, dass ich mit meinem linken Arm mit viel Anstrengung jedoch ohne Hilfe den Haltegriff am ?Galgen? des Krankenbettes ergreifen konnte. Die erste Bewegung war wieder möglich. Am 16.11.2007 wurde ich dann zur Reha in die Neurologische Klinik Bad Aibling verlegt. Dort war ich dann bis zum 03.01.2008 (knapp 7 Wochen). Mit zahlreichen Anwendungen und Therapien wurde während des Rückgangs des GBS meine Beweglichkeit wieder hergestellt. Dabei musste ich vieles wieder neu erlernen wie z. B. gehen, stehen, treppensteigen, schreiben (denn auch die Hände waren ja von den Lähmungen betroffen), usw. Letztendlich habe ich es geschafft die Klinik ohne Hilfsmittel zu verlassen. Insgesamt war ich jedoch zwei Wochen kompletter Pflegefall, drei Wochen im Rollstuhl, eine Woche mit Rollator und es dauerte bis Mitte Dezember bis ich annährend wieder sicher auf meinen Beinen stand. Was bei der Entlassung aus der Reha und auch bis heute (Mitte Januar) noch übrigblieb ist eine leichte Taubheit in den großen Zehen und eine teilweise Gesichtslähmung auf der linken Seite. Hier sind es vor allem die Lippen, der Lidschluss und die Stirn. Ich hoffe, dass sich dies aber auch noch gibt. Ein Reizstromgerät habe ich hierfür als Unterstützung leihweise bekommen.
Mein Fazit und meine Ermutigung für alle Betroffenen ist, GBS ist während der Erkrankung zweifelsohne eine schlimme Zeit und eine einschneidende Erfahrung, aber im normalfall regeneriert sich der Körper wieder.



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