10 Jahre danach

Christian, Dienstag, 21. November 2017, 23:15 (vor 1639 Tagen) @ Christian

Vor 10 Jahren erlebte ich die bis heute schlimmste Zeit in meinem Leben. Im ersten Beitrag habe ich darüber berichtet. Auch in den Folgejahren habe ich immer mal wieder beschrieben wie es mir geht.
In meiner Familie habe ich dieses Datum nicht angesprochen um nicht wieder all die Erinnerungen an diese schwere Zeit zu wecken. Denn auch für meine Angehörigen war diese Situation damals sehr belastend.
Bis auf die bereits beschriebenen noch bestehenden Defizite hat sich erfreulicherweise nichts verschlechtert. Aber leider auch nicht mehr verbessert. Der fehlende komplette Lidschluss des linken Auges ist wie jedes Jahr im Winter ein Problem und führt dazu, dass das Auge im Freien ständig tränt. Mein Mund lässt sich nach wie vor nicht komplett spitzen. Die Synkinesie führt zudem dazu, dass sich das linke Auge bei Bewegungen des Mundes etwas schließt. Und die Fingerspitzen werden bei Kälte taub wie damals während der Akutphase. In Behandlung bin ich seit Entlassung aus der Reha nicht mehr. Auch muss ich keine Medikamente nehmen.
Meine Erfahrungen mit dieser Grenzsituation haben mein Leben nachhaltig beeinflusst. So nehme ich viele Dinge gelassener als früher. Wenn mich im Alltag etwas aufregt denke ich zurück an diese Zeit um dann zu erkennen, dass es das nicht Wert ist. Auch habe ich gelernt "Nein" zu sagen. Was mir nicht gut tut, lehne ich wenn es irgendwie geht ab. Früher habe ich meine Geburtstage nicht gefeiert. Nun lade ich jedes Jahr Freunde und Bekannte ein. Ein Jahr älter ist für mich nun ein Grund zum Feiern. Gerade wenn man bedenkt, dass ich damals mit dem schlimmsten gerechnet habe und mit 37 schon mein Testament verfasste.
Mit den oben beschriebenen Restdefiziten kann ich derzeit gut leben. Spannend wird es jedoch in ein paar Jahren, wenn neben diesen Restdefiziten noch weitere Schäden zu Tage treten, die ich jetzt noch nicht bemerke und die mein Körper derzeit noch ausgleichen kann.
Trotzdem blicke ich zuversichtlich nach vorne und bin froh und dankbar, dass es für mich nicht schlimmer gekommen ist.
Allen Betroffenen und deren Angehörigen wünsche ich alles Gute viel Kraft.


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