Schräges rund um GBS

Klaus., Samstag, 06. Februar 2021, 18:56 (vor 75 Tagen)

Hallo zusammen,

ich glaube, etwas Aufmunterung könnte gut tun. Und deshalb habe ich einen Beitrag eröffnet, in dem jeder seine eigenen Erfahrungen der lustigen Art dazu schreiben kann.

Ich fange mal an, mit einer kurzen Geschichte, die mir wirklich passiert ist.

Die Heilung der linken Fusssohle:

Endlich: meine dritte Immunadsorption stand mir bevor. Ich würde abgeholt, hieß es, um 9:30 Uhr, Abfahrt in die andere Klinik, zur Blutwäsche.
Bereits um 9 Uhr rief man mich auf meinem Zimmer an, das Fahrzeug des Shuttleservice sei früher da, es warte schon; wo ich eigentlich bleibe?
Nun, besser zu früh als gar nicht. Nur war ich noch nicht ganz fertig. Also schnell die Zahnbürste abgestellt, in die Klamotten gequält. Und irgendwie die Schuhe angezogen, unter höllischen Schmerzen der linken Sohle.
So ganz einfach sind diese Vorgänge nicht, wenn Füße, Beine, Becken, Hände und Arme so gut wie gelähmt sind.... Aber die Zeit drängte.
Ich humpelte zum Fahrstuhl, -einen Rollstuhl lehnte ich während der ganzen akuten Phase ab- und schon wieder war der Schmerz da, dieses fürchterliche Stechen. Ich vermied es, mit dem Ballen aufzutreten, und humpelte zum Shuttlefahrzeug.
Unterwegs im Fahrzeug: immer noch Schmerzen, aber ohne Druck auf der Sohle etwas erträglicher.

Angekommen in der Blutwäscheklinik, erwartete mich der Gang zum Aufzug. Schlimm: immer noch starkes Stechen in der linken Sohle. Aha, da tut sich etwas. Vermutlich heilen die Nerven. Prima, so muss das sein, dachte ich mir ganz euphorisch.
Ich schleppte mich auf die Liege, bekam die Kanülen in die Armbeuge gerammt (dem Gefühl nach waren es stumpfe Halbzollrohre) und genoß die Prozedur.

Der Arzt fragte nach meinem heutigen Befinden, und als ich ihm von den starken Schmerzen in der linken Sohle erzählte, pflichtete er mir bei, dass es bestimmt die Schmerzen eines Heilungsprozesses seien. Aber so genau wisse er das nicht, er kennt zwar seine Blutwäsche sehr genau, sei aber leider kein Neurologe.
Während ich so da lag, ließ der Schmerz allmählich nach, und verlagerte sich etwas Richtung Ferse. Aha, gut so, die Sohle wird allmählich gänzlich geheilt, dachte ich mir.

Nach zwei Stunden war die Blutwäsche zu Ende. Ich richtete mich auf, stellte mich auf meine morschen Beine, und siehe da: der Heilungsschmerz war wieder da, so stark wie vor dem Liegen.

Es reichte mir. Sapperlot, was ist da los?
Ich bückte mich an die Stelle des ganzen Übels, friemelte den Schnürsenkel auf, zog den linken Schuh aus, und fand .... die Abdeckkappe der Zahnbürste drin.
Nun ja, eine Schwester, die das beobachtet hatte, gratulierte mir grinsend zu dem Heilungserfolg. Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.
Ich selber aber kriegte mich vor Lachen kaum ein.

So schön kann GBS sein.

Schräges rund um GBS

holger_w, Sonntag, 07. Februar 2021, 12:07 (vor 75 Tagen) @ Klaus.

Tolle Geschichte und gute Idee in der derzeitigen Situation für positive Stimmung zu sorgen. Schön, wenn man über sich selbst lachen kann. Respekt.
Gruß Holger

Schräges rund um GBS

Klaus., Sonntag, 07. März 2021, 10:02 (vor 47 Tagen) @ holger_w

Hier noch eine schräge Geschichte, die mir ebenfalls passiert ist:

wie schon erwähnt, haben mich Immunadsorptionen einiger Maßen auf die Beine gestellt.
Dazu werden in die beiden Armbeugen Kanülen gelegt, das Blut fließt aus der einen `raus, wird gefiltert, und kommt sauber wieder in die andere Armbeuge zurück. Nur so mal grob geschildert...

Die Kanülen in der Armbeuge sind etwas dicker als jene, mit denen man z.B. die Covid-Impfung piekst. Es sind stumpfe Halbzollrohre, fiel mir mal ein.:-D

Wie ich nun so da lag, juckte es mich an der Nase. Blöd, wenn die Nadeln jede Bewegung verhindern, Kratzen war also kaum möglich. Ein richtiger Mann bittet natürlich die Schwestern nicht, ihn an der Nase zu kratzen. Auch nicht, wenn das rechte Auge bereits anfängt zu tränen.. Nein, so etwas tut er nicht, sondern versucht ganz vorsichtig, dies selber zu erledigen.
Ein zarter Stich in der rechten Armbeuge verhieß nichts Gutes. Ich wartete ab, und es kam, wie es kommen musste: ein leichter Schmerz stellte sich ein, und die Immunadsorptionsmaschine begann zu schimpfen. Sie piepste Alarm: Differenzdruckschwankungen, das Blut floß an eine falsche Stelle.

Eine leichte Quaddel entstand an der Pieksstelle. Mir wurde die Kanüle neu gesetzt, und alles war gut.
Am nächsten Tag sah ich ein wunderschönes Hämatom in der Armbeuge: grün und blau, untermalt von herrlichen Rottönen. Etwas gelb war auch dabei.

Es war Mittagszeit, und ich bekam wie immer mein Essen aufs Zimmer gebracht, die Füße trugen mich noch nicht richtig.
Schwester Eva stöckelte herein, im mintfarbenem Kittel mit kurzen Ärmeln. Während sie das Tablett vor mich auf den Tisch stellte, sah ich an ihrem rechten Unterarm ein wunderschönes Tattoo, in den Farben grün und blau. Blüten umrankten ein rotes Herz. Die Farben kannte ich doch von irgendwo...
Und, kaum zu glauben, unter dem Herz stand der Name ihres Angehimmelten: "Klaus".

Mit Kuhaugen sah ich sie an, begann zu grinsen, zog meinen Ärmel hoch, und zeigte ihr mein Tattoo.:-D
Wir waren Verwandte im Geist.

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